Gibst du wirklich alles?

Zufälle gibt es selten – so zumindest meine Überzeugung. Und so war es keine Überraschung, dass zwei völlig unterschiedliche Erlebnisse mir wieder einmal aufzeigten: Was der kann, kann ich auch! Wobei ich im Privaten das Vergleichen mit anderen tunlichst vermeide, während ich es jedoch in Sport und Beruf als durchaus motivierend empfinde.

Ein Matchbesuch mit Folgen

Mit meinem Patenkind besuchte ich das Spiel Österreich – Italien im Zuge der Eishockey-Weltmeisterschaft in Bratislava. Für beide Teams ging es um Alles oder Nichts, musste der Verlierer doch den Abstieg hinnehmen. Leider spielt das favorisierte Team aus Österreich nächstes Jahr eine Klasse tiefer. Was sich für uns beide als völlige Eishockey-Laien trotz unseres Optimismus bereits vor dem Spiel abzeichnete. Das Aufwärmen beider Teams verlief ziemlich unterschiedlich, was Einsatz und Konzentration betraf. Dem rot-weiß-roten Team gelang nicht einmal der obligatorische Kreis vor Spielbeginn, während die Italiener bereits hier die Reihen dicht machten. Dieses Verhalten spiegelte sich auch im Match wider.

Eine Trainingseinheit mit Folgen

Während meines Schwimmtrainings letzte Woche wurden wir in zwei Leistungsgruppen eingeteilt. Das ermöglichte jeder Gruppe ein anspruchsvolles und dem Potential angepasstes Training! Gegen Ende der Einheit standen noch 6 Längen mit je 25 Metern „Kraulbeinen“ an. Kraulbeine bedeutet, dass du dich mit den Armen an einem Brett festhältst und angetrieben durch den Beinschlag beim Kraulen durchs Wasser gleitest. So der Idealzustand in der Theorie. In meiner Praxis sieht das jedoch eher nach einer Mischung aus Hängen und Würgen aus und ich bin stets sehr dankbar, dass das Becken keine 50 Meter misst. Nach vier Längen, die gefühlte 10 Minuten in Anspruch genommen hatten, waren wir uns einig, dass es genug war.

Das Quentchen Mehr

Nein, wir waren uns nicht einig, denn ein Schwimmer (und zwar derjenige, der die Übung mit Abstand am besten meisterte) hatte noch nicht genug von Kraulbeinen. Mit den Worten „Ich mach noch zwei Längen“ war er dahin. Wie begossene Pudel sahen wir anderen uns an. Jedoch nicht lange – denn wenige Augenblicke später nahmen auch wir – ohne ein Wort zu wechseln – die verbleibenden zwei Längen in Angriff. Die folgenden Minuten kreisten meine Gedanken um den Unterschied zwischen wissen und tun bzw. können. Denn klar wusste jeder von uns, dass uns gerade diese zusätzlichen Längen am weitesten bringen würden. Und trotzdem fallen sie so schwer und hätten wir alle aufgehört, wenn nicht der Eine gewesen wäre.

Ein bißchen was geht immer noch

Trainingseinheiten wie diese kommen immer wieder. Und so oft sie kommen, findet mein Kopf Gründe, eine „mühsame“ Übung durch eine andere zu ersetzen. Das von heute auf morgen abzustellen wird eine Challenge – und diese nehme ich gerne in Angriff. Ich kann noch nicht sagen, ob ich immer die Bequemlichkeit besiegen werde, ich weiß nur, dass ich mir ab jetzt während dem Training wieder regelmäßig die Frage stellen werde „Ist das wirklich ALLES, was ich geben kann?“

Denn eines ist klar: Wenn ich im Training nicht alles abrufen kann, dann auch nicht im Bewerb.

by Georg

Was sich in meiner Trainingswoche getan hat, entnimmst du wie immer dem TRAININGS-TAGEBUCH. Und – uns interessiert noch immer, welche Ziele du dir setzt, also: TRAG dein ZIEL ein!

 

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